Wilhemina Bay und Orne Island in der Antarktis

Fahrt durch das Eis der Wilhelmina Bay

Es ist der sechste Tag, den ich nun zusammen mit meinem Mann und rund 110 anderen Passagieren an Bord der Sea Spirit verbringe. (For English.)

die Sea Spirit in der Wilhelmina Bay

Wie ich in einem meiner letzten Blogs schon geschrieben habe, klappt es nicht immer so, wie sich das Expeditionsteam den Plan für den nächsten Tag vorgenommen hat. Manchmal kommt es anders, weil der Wind zu stark ist oder die Strömung zu heftig oder noch zu viel Packeis unterwegs ist, das unser Schiff schnell einschließen könnte.

So auch heute, Plan A funktioniert nicht, also gibt es Plan B oder C…

Gletscher in der Wilhelmina Bay
In der Wilhelmina Bay

Unser Kapitän manövriert das Schiff vorsichtig in die Wilhelmina Bay. Viel Eis und viele Eisberge schwimmen hier. Das Erkundungszodiac mit einigen Leuten vom Expeditionsteam macht sich natürlich vor den Gästen auf den Weg, um zu testen, ob wir vielleicht das gefrorene Seeeis betreten können. Wir wären nicht die einzigen dort, einige Robben ruhen sich bereits von der nächtlichen Jagd auf Futter dort aus.

pinkelnde Krabbenfresserrobbe

Leider habe  wir kein Glück, es würde uns möglicherweise nicht tragen, Sicherheit geht natürlich vor.

Dafür haben wir Glück, als wir mit unserem Zodiac an die Kante fahren. Wir finden eine Stelle, die aussieht wie ein kleiner Hafen mit Eis. Von hier aus können wir die schlafenden Krabbenfresser Robben recht gut beobachten. Und etwas weiter weg liegt sogar ein Seeleopard. Mit dem Fernglas schaffe ich es sogar, die spitzen Zähne in seinem Maul zu sehen, als er mal herzhaft gähnt.

Wir alle werden ganz still, die uns umgebenden Berge der Wilhelmina Bay mit ihren massigen Gletschern lassen uns klein und unbedeutend wirken.

Dann plätschert etwas und eine neugierige Krabenfresserrobbe streckt direkt  eben unserem Zodiak ihren Kopf aus dem Wasser. Dann taucht sie unter unserem Boot unter das Eis. Schnell versuche ich noch ein Unterwasserfoto mit meiner GoPro von ihr zu machen, aber das klappt leider nicht. Dafür bekomme ich eine Menge Krill vor die Linse. Kein Wunder, dass die Robbe hier abgetaucht ist. Das muss ein Festmahl für sie sein.

Christian, einer der deutschen Guides aus dem Expeditionsteam fährt weiter mit uns. Wir haben es geschafft, dass  nur wir 10 an Bord befindlichen deutschsprachigen Gäste zusammen hier im Zodiac sitzen. So braucht Christian nicht übersetzen und wir haben mehr Zeit Fragen zu stellen.

Kleine und große Eisberge
Eisberg in der Wilhelmina Bay

Zum wiederholten Mal bekommen wir die Unterschiede von Gletschereis und dem gefrorenen Seeeis erklärt. Die schwimmenden Eisberge sind von kalbenden Gletschern abgebrochen und können riesige Dimensionen haben. Sie können viele tausend Jahre alte Luft in kleinen eingeschlossenen Bläschen enthalten, die für Wissenschaftler extrem spannend sind. So können sie erforschen, wie die Luft vor langer Zeit zusammengesetzt war.

Christians Kampf mit dem „Eisberg“

Übrigens knackt es herrlich, wenn man ein Stück Gletschereis in seinem Drink hat, es langsam taut und diese Luftbläschen entweichen.

Damit wir dieses Geräusch auch einmal hören können und erfahren, wie uraltes Eis schmeckt, scheut Christian keine Mühen und holt uns einen kleinen Brocken aus dem Wasser der Wilhelmina Bay. Da Gletschereis schwerer ist als Wasser, hat er schon ordentlich was zu stemmen, wie ihr in  einem kleinen Video sehen könnt.

Wenn sein Vertrag beendet ist, geht er wieder zurück nach Spitzbergen, wo er seit einigen Jahren lebt. Da ihm die Arbeit mit Touristen Spaß macht, hat er eine eigene Firma gegründet und  führt Touren über Spitzbergen durch. Die beste Zeit um dort die hier in der Antarktis nicht existenten Eisbären zu beobachten, ist im ausgehende  Winter zwischen Februar und Mai. Dann liegt noch viel Schnee, aber das Tageslicht kehrt zurück. Eben genau umgekehrt zu den hier herrschenden Jahreszeiten.

Sommer in der Antarktis

In der Antarktis ist jetzt Sommer, meistens haben wir um 0 ° C, wenn die Sonne rauskommt, ist es sogar wärmer, bei Wind kann es aber auch viel kälter sein. Daher sind wir ordentlich eingemummelt. Das macht sich bei dieser 2 stündigen  Zodiactour schon bemerkbar. Frieren wäre schon schade und würde viel Freude an dieser Tour nehmen. (Antarktis-Packliste)

Heute herrscht eine ganz eigenartige Stimmung hier im Eis da der Himmel grau ist, das teilweise blaue Gletschereis sich dagegen sehr gut abhebt.

Pinguinei, wahrschienlich von einem Skua geraubt

Christian stellt daher einfach mal den Motor des Zodiacs ab, um uns die Gelegenheit von absoluter Ruhe zu geben. Es dauert einen Moment, bis auch der letzte in unserem Boot aufhört sich zu bewegen, denn schon das  Rascheln der Kleidung erscheint laut in dieser Ruhe und Einsamkeit.

Momentan sehe ich kein anderes Zodiac, das Schiff auch nicht. Die Berge scheinen unser Boot komplett zu umschließen. Ruhe, leises Plätschern des Wassers an unsere Bootswand, das Knacken des Eises. Ein ganz eigener Moment, Augen schließen, genießen.

Orne Island

Am Nachmittag landen wir in Orne Island an. Hier werden auch die ganz abenteuerlustigen Passagiere über Nacht campen. Nein, nicht in Zelten, sondern unter freiem Himmel. Sterne werden sie nicht sehen, es ist ja immer hell, aber die, die tatsächlich nicht schlafen konnten, sondern die Geräusche der Tiere und des Eises hören wollten, sie konnten auch Wale beobachten.

Dirk und ich auf Orne Island

Wir kraxeln nun auf Orne Island einen Berg empor. Natürlich wieder entlang der gesteckten Fähnchen, um die brütenden Eselspinguine so wenig wie möglich zu stören.

Eselspinguine auf Orne Island

Wir sinken immer wieder tief in den Schnee ein. Manch einer muss von hilfreichen Händen herausgezogen werden, denn sich selbst aus dem Schnee zu befreien, wenn man fast bis zur Hüfte drin steckt, ist doch recht mühsam.

Von oben können wir gut die Kayakfahrer beobachten, wie sie gemächlich über das ruhige Wasser gleiten.

Alle zusammen genießen wir dann später das wie immer sehr gute Abendessen. Dann gehen die Camper von Bord. Ein ganz klein bisschen beneide ich sie schon ob dieses einzigartigen Erlebnisses, aber dann kuschel ich mich in mein weiches, warmes Bett und wache erst auf, als die Camper längst wieder an Bord sind.

die Kayakfahrer schauen sich Orne Island von unten an


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Blick von Orne Island

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Neueste Kommentare

2 Comments

  1. Michael Hohnschild
    12. Februar 2017
    Reply

    Tolle Berichte und sehr schöne Bilder, ein Genuß, vielen Dank!!

    • Gabriela
      12. Februar 2017
      Reply

      Lieber Michael, vielen Dank für deinen Kommentar! In den nächsten Wochen kommen noch ein paar mehr…also bleib dran! Liebe Grüße Gabriela

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