Litauen – Baltische Impressionen

Neun Tage fahre ich mit meinen Kunden durch die drei baltischen Staaten. Litauen, Lettland und Estland.

Wir starten in Litauen, in der Hauptstadt

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Vilnius

 Litauen hat knapp drei Millionen Einwohner hat. Davon leben etwa 700.000 in Vilnius.

Nachmittags kommen wir an und machen nur noch eine kleine Runde um den Burgberg, da es regnet und recht kalt ist. Eigentlich wollen wir den Hügel erklimmen, aber die vom Regen nassen Kopfsteine sind uns zu glitschig. So betrachten wir die Überreste der Oberen Burg und den Gedeminasturm nur von unten.

Ruine-der-Oberen-Burg-in-Vilnius
Die Ruinen der Oberen Burg mit dem Gediminas-Turm

Der Hunger lässt uns in das Restaurant Mykolo4 einkehren, eine urige Lokalität in einem Gewölbe. Mit alten Fresken und vielleicht antiken Tischen und Stühlen.

Das Essen ist alten Rezepten des 18. Jahrhunderts nachempfunden. Nicht ganz günstig, aber lecker!

Restaurant-in-Vilnius
Mykolo 4, der große Gastraum

Wir brauchen nur um zwei Ecken gehen und schon stehen wir vor unserem Hotel, dem Hotel Vilnia. Von hier aus ist man direkt in der Stadt, sieht die berühmten drei weißen Kreuze auf dem Berg gegenüber und könnte direkt durch einen Park schlendern. Die Zimmer sind sauber, groß und ruhig, das Frühstücksbuffet sehr lecker, wie wir am nächsten Morgen feststellen dürfen.

Stadtrundgang

Dann starten wir zu unserer gut 4 km langen Entdeckungstour durch Vilnius. Leider noch immer im Regen.

Startpunkt ist der große freie Platz vor der St. Stanislaus Kathedrale, die vom Glockenturm überragt wird, der aber nicht mit der Kirche verbunden ist. Rechts neben der Kathedrale wurde der Palast des Großfürsten von Litauen rekonstruiert.

Grossfuerstenpalast
Rekonstruierter Palast des Großfürsten

Wir überqueren die Straße beim Kempinski Hotel und sind schon in der Altstadt. Zieht euch bequeme Schuhe an, denn immer wieder sind längere Strecken über Kopfsteinpflaster zu gehen.

Bald stehe ich vor dem Präsidentenpalast, der auf der Breitseite eines dreieckigen Platzes steht. Hier, wie überall sehen wir die ukrainischen Farben, die Solidarität für das fast Nachbarland ist groß. Nebenan befindet sich ein Teil der Universität.

Sitz-der-Regierung-in-Vilnius
Der Präsidentenpalast, solidarisch mit der Ukraine
Den ganzen Rundgang findet ihr bei Komoot.

Immer wieder passieren wir eine der vierzig Kirchen von Vilnius, häufig waren Klöster angeschlossen.

Besonders zu erwähnen ist das Jüdische Viertel in Vilnius, das einen großen Teil der Altstadt umfasst und später zum Getto wurde. Eine Gedenktafel erinnert an die 30.000 Menschen, die von hier in den Tod gingen.

Strassenschild-zum-Judenviertel
Ein Straßenschild im Judenviertel

Wir besichtigen die russisch-orthodoxe Heiliggeistkirche. Innen ist sie mit kräftigen Farben, voran grün und gold gestrichen. Da an diesem Wochenende das orthodoxe Osterfest ansteht, wird sie mit Blumen geschmückt. Auch hier befindet sich ein Kloster.

Ein paar Meter weiter durchschreiten wir das einzige noch erhaltene Stadttor von Vilnius. Es hat die Zerstörung und den Abriss nur überstanden, weil sich im Inneren eine goldene Madonna befindet. Es heißt auch Tor der Morgenröte, da es nach Osten zeigt.

An einem kleinen Teil der noch vorhandenen Stadtmauer gehen wir bergab entlang an der Bastei vorbei.

Über den Fluss Vilnia
Grenzuebergang
Grenzübergang ins Künstlerviertel

Bald überqueren wir den kleinen Fluss Vilnia und schlendern ein wenig durch das Künstlerviertel Užupis. Vor der Unabhängigkeit Litauens wohnten und arbeiteten hier Handwerker. In der sowjetischen Zeit wurde das Viertel, das es seit dem 15. Jahrhundert gab sehr vernachlässigt, nach 1991 dann von Künstlern und Studenten wiederentdeckt und nach und nach renoviert. Besonders schön die 41 Artikel umfassende „Verfassung“,die in viele Sprachen übersetzt, dort an einer Mauer hängt. Der goldene Engel überragt den dortigen kleinen Marktplatz.

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Die Verfassung im Künstlerviertel! 41 Gesetze, die man gern einhält!

Wer einen „süßen Zahn“ hat, sollte unbedingt eine Pause im Café Poniu Laime einlegen. Schon vor dem Laden umhüllt mich ein köstlicher Geruch nach frisch gebackenem Kuchen. Eine Pracht innen und außen! Neben köstlichen Kuchen gibt es auch einige herzhafte Speisen.

Eingang-Cafe
Definitiv für Menschen, die Süßes lieben!

Den Nachmittag beginnen wir mit der Besichtigung der Barockkirche Peter- und-Paul. In keinem Krieg zerstört, ist noch heute die Kirche so, wie zur Fertigstellung 1685. Unzählige Ornamente schmücken die Wände und Decken.

Barockfresken-in-Kirche
Prunkvolles Barock in der Peter-und-Paul-Kirche in Vilnius

Der Bus bringt uns danach in einen der Vororte, in eine ehemalige Fabrik des Lübecker Fabrikanten E. Possehl, der hier zunächst Scheren herstellte. Später kamen Sensen hinzu. Mittlerweile hat sich hier die Craftbeer Brauerei Dūmų Fabrikas angesiedelt, die immer neue Bierkreationen auf den Markt bringt, z.B. Kokosbier oder geräuchertes Bier. Wir probieren verschiedene Sorten aus, nachdem wir eine Einführung in die Bierbraukunst erhalten haben. In der ehemaligen Fabrikhalle finden auch wechselnde Events statt.

Biersorten
Craftbeer-Brauerei, Sorten gibt´s…

Im Restaurant Grey lassen wir den Abend bei litauischen Spezialitäten ausklingen.

Am Morgen geht es dann Richtung Küste nach Klaipeda, ehemals Memel.

Wasserburg Trakai, ein Muss in Litauen

Natürlich besuchen wir auf dem Weg dorthin die berühmte Wasserburg von Trakai. Wir betreten sie nicht über die langen Holzstege, sondern vom Wasser aus. Ein Boot schippert uns langs am einmal drum herum und wir dürfen direkt am Eingang aussteigen. Im 14. Jahrhundert wurde sie erbaut und schon 1655 im Krieg und Russland zerstört. Im Museum innen finden sich alte Fotos die zeigen, dass von der jetzt wieder stolzen Burg nicht viel übrig war, als man Ende des 19. Jahrhunderts den Wiederaufbau plante.

Innenhof-Trakai
Der große Innenhof der Wasserburg Trakai
Schnitzfiguren
Die Armlehnen der Holzthrone im Wasserschloss Trakai

Unsere Mittagspause legen wir auf einem Bauernhof ein, wo wir ein deftiges Essen genießen. Bei der Zubereitung des Nachtisches müssen wir im wahrsten Sinne des Wortes selbst mit Hand anlegen. Wir drehen den Spieß für den Baumkuchen über dem offenen Feuer. Ist der lecker!

Baumkuchenspiess
Baumkuchen am Spieß wird über dem Feuer gebacken

Leider liegen noch viele Kilometer Fahrt vor uns bis



Klaipeda

Gegen Abend erreichen wir das Hotel National in der Altstadt von Klaipeda. Es ist sehr „vintage“, aber die Lage und das Frühstück sind gut.

Mann-auf-dem-Dach
Wer sitzt denn da auf dem Dach?

Wir lernen die Altstadt bei ehem kleinen Rundgang kennen. Im Hafen liegen Fähren und später, im Sommer dann auch Kreuzfahrtschiffe an. Wir lassen den Abend in der dem Hotel angeschlossenen „Eckkneipe“ ausklingen. Das Essen ist lecker und empfehlenswert. Viele Einheimische wissen das auch zu schätzen.

Metallfigur
Hier wird eine Sage dargestellt

Am Morgen setzen wir mit der Fähre über zur Kurischen Nehrung, einer schmalen vorgelagerten Insel, die fast 100 km lang ist. Ein Teil gehört zu Litauen, ein Teil zu Russland.

Kurische Nehrung

Diese Landzunge in Litauen besteht aus Sand, der sich durch Meeresströmungen nach der letzten Eiszeit dort angesammelt hat. Der Wald, der den Sand zusammen hält, wurde spätestens im Siebenjährigen Krieg abgeholzt und nun begannen die riesigen Dünen zu wandern und begruben 14 Dörfer unter sich. Vor rund 200 Jahren begann dann die Wiederaufforstung. Die noch existierende große Düne bei Nida verliert viel Sand und damit an Höhe durch den stetigen Westwind. Trotzdem besteigen wir nicht nur sie über die Holzstege, sondern noch eine weiter. Wunderschöne Strände liegen vor uns. Viel steht unter Naturschutz oder liegt im Sperrgebiet zu Russland. Kein Wunder, dass hier viele Elche, Wildschweine und Rentiere zu finden sind.

Bevor wir durch das beschauliche Örtchen Nida mit seinen bunten Holzhäusern schlendern, besuchen wir das Thomas Mann Haus, das an einer Anhöhe liegt und einen herrlichen Ausblick über das Haff bietet. Thomas Mann verbrachte hier einige Sommer mit seiner Familie vor dem Krieg.

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Das Thomas Mann Haus in Nida

So vergeht der Tag an der See bei wolkenlosen Himmel. Das Bernsteinmuseum lädt uns ein, selbst mit Hand anzulegen und schon sitze ich mit dem Rest der Gruppe an einem langen Tisch und wir schleifen uns einen eigenen Bernsteinanhänger. Dem alten Friedhof statten wir auch einen Besuch ab.

Bernsteine-mit-Einschluss
Im Bernsteinmuseum gibt es viele Steine mit Einschlüssen

Auf einem Ausflugsboot fahren wir entlang der Kurischen Nehrung und nähern uns bis auf 200 Meter der Russischen Grenze. Gerade ist das ein sehr beklemmendes Gefühl, da Russland den Krieg gegen die Ukraine begonnen hat. Hier merke ich allerdings nichts davon. Alles ist sehr friedlich, da auch Sperrgebiet. Nur die vier Seeadler stört die Grenze nicht. Sie fliegen hin und her und fast habe ich das Gefühl, die beobachten unser Boot.

Später steigen wir noch auf die Große Düne und haben einen weiten Blick über die Sandberge.

Zum Abschluss vertilgen wir alle eine Räucherfischplatte. Lecker!

Gesättigt und ein bisschen würde nach den rund 10km Fußweg, die wir heute insgesamt hinter uns gebracht haben, lassen wir uns vor unserem Busfahrer zurück ins Hotel fahren.

Berg der Kreuze

Bevor wir am nächsten Tag Litauen verlassen, besuchen wir nach den „Berg der Kreuze“ bei Šiauliai. Unzählige Kreuze werden hier tagtäglich noch von Gläubigen niedergelegt oder errichtet. Sogar Papst Johannes Paul II. hat 1993 hier eine Messe gelesen.

tausende-Kreuze
unzählige Kreuze stehen auf dem Berg der Kreuze

Ich rieche beim Aufstieg einen Feuergeruch. Wie ich später erfahre und sehe, ist gerade zwei Tage zuvor ein Teil des Hügels abgebrannt.

In meinem 2. Teil der „Baltischen Impressionen“ erzähle ich euch ein wenig über Lettland.

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Neueste Kommentare

15 Kommentare

  1. 21. Juli 2022
    Antworten

    Hallo Gabriela,
    wunderschöne Impressionen, von der Natur, Kultur und den Sehenswürdigkeiten. Ich habe definitiv Lust auf Litauen bekommen.

    Viele Grüße
    Julia

    • 21. Juli 2022
      Antworten

      Liebe Julia!
      Das freut mich sehr, dass du Lust auf Litauen bekommen hast. Ich hoffe, du kannst bald mal dorthin reisen.
      Liebe Grüße
      Gabriela

  2. 19. Juli 2022
    Antworten

    Hallo Gabriela,
    das klingt alles sehr interessant. Anscheinend unterschätzt man dieses Reiseziel und sollte es mal bei seinen Reiseplänen in den Vordergrund schieben. Vielen Dank für die schönen Impressionen.
    Viele Grüße Annette

    • 20. Juli 2022
      Antworten

      Liebe Annette,
      die Baltischen Staaten sind ein häufig unterschätztes Reiseziel.
      Es lohnt sich, diese Länder zu besuchen.
      Liebe Grüße
      Gabriela

  3. Anonymous
    14. Juli 2022
    Antworten

    Es war eine tolle Reise, vielen Dank und ich freue mich auf die nächsten Reisen. Stephan

    • 14. Juli 2022
      Antworten

      Vielen Dank und ich freue mich auch, dich wieder dabei zu haben, S.

  4. Litauen muss ein beeindruckendes Land sein. Danke für die tollen Eindrücke!
    Dass die Reise gerade zur jetziges Zeit ein beklommenes Gefühl auslösen kann, kann ich gut nachvollziehen.

    Liebe Grüße
    Gina

    • 6. Juli 2022
      Antworten

      Liebe Gina,
      ja, ich denke, die Menschen dort sind sehr froh, dass sie sich so frühzeitig schon für Europa entschieden haben. Als Touristen merkt man nicht so viel, obwohl sich natürlich jeder so seine Gedanken macht.
      Liebe Grüße
      Gabriela

  5. Liebe Gabriela,

    ich kenne Litauen gar nicht. Vielen Dank für die tollen Einblicke!

    Die Wasserburg Trakai ist ja mein Favorit! Wie cool, dass ihr da mit dem Boot raufgefahren seid! Geräuchertes Bier würde ich übrigens auch gerne mal probieren.

    Liebe Grüße
    Felicitas

    • 6. Juli 2022
      Antworten

      Liebe Felicitas,
      das geräucherte Bier ist schon seeehr gewöhnungsbedürftig;-)
      Liebe Grüße
      Gabriela

  6. 4. Juli 2022
    Antworten

    Liebe Gabriele,
    das sind ganz tolle Impressionen. Ich war mal in Tallinn und schon dort vom Baltikum begeistert. Lettland und Litauen stehen noch auf der Wunschliste.
    Hat man dort (außer der Flaggensolidarität) etwas vom Krieg im Nachbarland gespürt? Habt ihr euch die ganze Zeit sicher gefühlt?

    Liebe Grüße
    Liane

    • 6. Juli 2022
      Antworten

      Liebe Liane,
      Touristen merken aufgrund der Sprachbarriere kaum etwas. Wir haben uns sehr sicher gefühlt, auch Militär haben wir kaum gesehen.
      Herzliche Grüße
      Gabriela

  7. 3. Juli 2022
    Antworten

    Das Baltikum reizt mich auch schon lange, aber irgendwie liegt es in der falschen Himmelsrichtung und ich bin noch nicht hingekommen 😀
    Ja, tatsächlich, alles, was nördlich liegt, muss ich mir echt gaaaanz fest vornehmen. Nach Süden – das passiert irgendwie immer eher so… Ich hoffe doch, dass es auch in der nächsten Zukunft noch möglich sein wird, das Baltikum zu bereisen :-/

    • 6. Juli 2022
      Antworten

      Das geht sicher nicht nur dir so! Vielen liegt der Süden schon aufgrund des besseren Wetters näher.
      Ich als Norddeutsche bin da ja nicht so heikel 😉

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