Auf dem Top of the World Highway

Die wohl schönste Verbindung zwischen Alaska und Kanada

(For English go this way please.) Auf unserer 15 tägigen Alaska und Yukon Highlights Tour mit dem PKW ist dies meine persönliche Lieblingsstrecke geworden. Wir verlassen Tok, diesen Ort, der nur aus einigen Motels und Tankstellen zu bestehen scheint, sehr früh. Hier hält uns nichts und wir wollen den ganzen Tag auf dem Top of the World Highway genießen.

Rein kilometermäßig sind es nur rund 300 km, aber dieser Highway hat es in sich und ist auch so ganz anders, als viele sich einen Highway so vorstellen.

Golden Bear Motel
Golden Bear Motel

Es ist wirklich früh, es ist kalt, der Nebel hat sich noch nicht ganz verflüchtigt, aber die Sonne kommt schon hier und da hinter den Wolken hervor. Außer uns scheint noch niemand wach zu sein. Das Frühstück schenken wir uns, holen uns nur einen Becher Kaffee in der Lobby des „Golden Bear Motels“ und los geht es.

Moose
Moose

Ich fahre nicht so schnell, obwohl keine andere Menschenseele auf der Straße ist. Vielleicht habe ich einen siebten Sinn, denn kurz hinter Tok steht eine Moose Mutter mit ihrem Kalb am Straßenrand. Beide sind geschäftig am Fressen und stören sich auch nicht daran, dass wir anhalten und Fotos machen. Offensichtlich sind neugierige Touris in Autos kein Grund für die zwei ihre Mahlzeit zu unterbrechen.

Wir fahren weiter, bis wir zur Brücke über den Tanana River kommen. Immer wieder sind wir fasziniert, wenn wir über einen dieser kiesdurchsetzten Flüsse fahren und auch diesem kann ich nicht widerstehen, ein paar Fotos müssen sein, bis ich das Gefühl habe, meine Finger frieren ab.

Tanana River
Tanana River

Bald kommen wir zur Kreuzung, wo wir vom Alaska Highway abbiegen, um auf den Taylor Highway zu gelangen, der später zum Top of the World Highway führt.

Die gut ausgebaute Straße führt durch Wälder und über sanfte Hügel, häufig haben wir einen wunderbaren Blick über die bunt gefärbte Landschaft.

Taylor Highway
Taylor Highway

Bald erreichen wir allerdings einen sehr deprimierenden Landstrich. Viele Meilen weit ist der Wald verbrannt, kaum dass sich Gräser und kleine Büsche und die Pionierpflanze Birke wieder ansiedeln. 2004 hat hier ein verheerender Waldbrand geherrscht. DSC03497-sMillionen von schwarz verkohlten Baumstämmen ragen in die Höhe, manche sehen wie explodiert aus von der unglaublichen Hitze der Feuersbrunst. Bergauf und –ab hat sich die Feuerwalze ihren Weg gesucht und alles Leben vernichtet, das ihr in nicht entfliehen konnte. Und doch hat es ab und zu ein Baum überlebt, manchmal kleine Schonungen, die jetzt mit ihrem dunklen Grün aus dem Schwarz der Baumleichen hervorstechen. Fast unwirklich sieht die Gegend aus. Gut, dass wenigstens die Sonne ab und zu ein wenig hervor schaut, das nimmt dem Ganzen etwas den traurigen Anblick.

Immer wieder halten wir an, steigen aus, fotografieren, genießen die gute Luft. Selten, ganz selten begegnet uns ein anderes Fahrzeug. Wir grüßen von einem Auto zum anderen. Menschen sind hier selten.

Taylor Highway
Taylor Highway

Unsere Mägen knurren. Der Kaffee ist längst verdaut, das Fahren und Schauen macht hungrig. Kurz vor elf Uhr, fast vier Stunden nach unserer Abfahrt in Tok erreichen wir das weltweit bekannte Nest „Chicken“. Früher war es ein prosperierender Ort, wo viele Goldsucher versuchten ihr Glück zu machen. Einige haben es sicher auch gefunden, aber hier, hunderte Kilometer im Umkreis nur Berge, Flüsse und Wald muss jeder gut ausgerüstet sein, um überleben zu können.

Old Jack Wade No. 1
Old Jack Wade No. 1

In Chicken steht der „Old Jack Wade No 1“, ein uralter Goldschwimmbagger, der erste seiner Art, der hier eingesetzt wurde. Imponierend das Teil und recht innovativ für das Ende des 19. Jahrhunderts.

Dredge
Dredge

Ich mag mir gar nicht vorstellen, unter welchen entsetzlichen Bedingungen damals nach Gold gesucht wurde. Immer im Wasser, immer durchgefroren, immer nass. Kein Wäschetrockner, der in der Kürze der Zeit die Sachen trocknet. Glücklich war, wer ein festes Dach über dem Kopf hatte, meist musste eine Zeltplane reichen. Und das bei diesen Temperaturen. Bilder und einige Artefakte finden sich im Café, in dem wir uns köstliche Waffeln mit Blaubeeren und Sahne schmecken lassen. Bis 11 Uhr gibt es Frühstück. Da haben wir Glück gehabt. Das Café dient auch als Laden, in dem nahezu ausschließlich in Alaska hergestellte Dinge verkauft werden. Schöner Schmuck, Wollmützen, natürlich T-Shirts aus Chicken usw. Vier Leute  außer uns und den Damen, die uns bedienen sind im Laden, alle sind Deutsche…. Wir sind schon ein reiselustiges Völkchen!

Draußen versucht sich ein Tourist im Goldwaschen, tatsächlich findet sich ein winziges Goldteilchen in seiner Goldwaschpfanne, die im Café erhältlich ist.

Gold panning
Gold panning

Seine Frau sitzt hinter ihm im Caravan und hält ihm immer mal wieder eine Tasse dampfenden Kaffee hin, damit er sich seine fast abgefrorenen Hände wärmen kann. Das Wasser hat kaum mehr als vier oder fünf Grad, naja, die Lufttemperatur ist heute auch kaum mehr.

Im Winter halten es hier gerade mal eine Handvoll Menschen aus. Monatelang von der Außenwelt abgeschnitten, das kann nicht jeder. Zwischen Mitte Oktober und Mitte Mai ist die Straße hinter Chicken in Richtung Dawson geschlossen, zur anderen Richtung ist sie auch nur bedingt passierbar. Die meisten der sommerlichen Einwohner, die hier im RV Park oder der Tankstelle oder in den kleinen Shops helfen, gehen Mitte September wieder zurück in ihre Heimat, Seattle, Anchorage oder nach Kalifornien. Aber es gibt auch ein Postamt und natürlich schreiben wir zwei Karten.

Gold Claim
Gold Claim

Langsam drängt die Zeit, es ist Mittag und der längste Teil der Strecke liegt noch vor uns, ab jetzt auch nur noch als Schotterstraße und teilweise in Serpentinen rauf und runter. Immer wieder sehen wir den Forty-Miles River, manchmal fahren wir an ihm entlang. Hier sehen wir auch viele Goldclaims, die meisten sind noch in Betrieb. Wie vernarbt sieht das Flussbett und die unmittelbare Umgebung teilweise aus, Schotterhügel türmen sich auf, einige sind schon wieder mit Pflanzen bewachsen. Überall sehen wir Schilder „Private, Keep out“. Wer will sich schon beim Goldsuchen beobachten lassen?

Die Schotterstraße ist recht gut gepflegt, trotzdem ist vorsichtiges Fahren wichtig. Immer wieder sind tiefe Schlaglöcher erst im letzten Moment zu sehen.

Top of the World Highway
Top of the World Highway

Dann habe ich einen ganz schlimmen Moment, der mich den ganzen Tag nicht los lässt und mich die ganze Reise immer wieder begleitet. Ein süßes Eichhörnchen kommt von links über die Straße gesaust, ich versuche noch zu bremsen, aber es ist zu nah und ich dann doch zu schnell. Ich erwische es mit dem rechten Vorderreifen. Wie furchtbar! Ich muss anhalten, denn das Weinen kann ich mir nicht verkneifen. Das arme Tier, ich hoffe, dass einer der vielen Raben es wegholt, damit sein Tod nicht umsonst war.

Dann schraubt sich die Straße immer höher, bis wir ganz oben auf den nun baumlosen Kuppeln der Berge fahren. Es wird immer kälter, die Berge, die noch höher sind, haben alle eine weiße Haube. Jetzt ist es richtig kalt, der Wind pfeift ordentlich. Kurz vor der kanadischen Grenze steigen wir noch einmal aus, um zu fotografieren. Der Wind bläst mich fast weg! (Hier gibt es ein kurzes Video zur Fahrt.)

Top of the World Highway
Top of the World Highway

Die kanadische Grenzbeamtin schaut nur kurz in die Pässe, fragt wohin wir möchten und winkt uns durch.

Jetzt sind wir auf dem Top of the World Highway. Immer weiter schlängelt sich die Straße auf den Bergkämmen. Zwischen drin ist mal ein Stück geteert, dann wieder Schotter. Jetzt fängt es auch noch an zu regnen. Schnell geht der Regen in richtiges Schneegestöber über. Die Sicht ist fast gleich Null, gut dass wir es bis zur Fähre über den Yukon nach Dawson nicht mehr weit haben.

Es geht nur noch  bergab wie es scheint. Der Schnee hört auf, dafür regnet es wieder. Die Straße ist jetzt wieder geteert und da sehen wir auch schon Dawson! Die berühmte Stadt des Goldrausches! Zwischen uns liegt nur noch der Yukon.

Yukon Ferry
Yukon Ferry

Die kleine Autofähre kommt gerade auf uns zu. Einen richtigen Fähranleger gibt es nicht. Die Straße endet, Schotter wird platt gemacht. Ein Bagger und eine Walze stehen am Ufer. Jeden Tag geht es woanders auf die Fähre. Je nachdem, wie  der Fluss es möchte. Bei Hochwasser oder mehr Strömung verändert er ständig ein wenig seinen Lauf. Da wird flexibel entschieden.

Wir fahren auf die Fähre. Unser Auto sieht aus, als wären wir durch eine Schlammwanne gefahren. Naja, so ähnlich war die Straße ja auch. Drei Motorradfahrer aus Deutschland stehen neben uns. Ihre Maschinen sehen nicht besser aus, die Fahrer (eine Frau dabei), auch nicht. Sie erzählen uns, dass sie von New York kommen und jetzt gen Süden fahren wollen, bis ganz nach Feuerland. Wow! Das ist eine ordentliche Strecke…

Wie es in Dawson weiter geht, erzähle ich euch nächste Woche. Bleibt dran und erfahrt Neues und findet mehr Bilder auf meiner Facebook Seite, die auch gern „geliked“ werden darf oder auf Instagram.P1140912-s

 

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