Von Oase zu Oase

Ein Tag in der omanischen Wüste

 

Es wird schwierig sein, aus diesem Blogbeitrag keinen Reisebericht über den Oman zu machen. Denn eigentlich ist jeder Moment hier in diesem, noch für viele unbekannten Land, ein ganz besonderer Moment.

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Ausblick auf karge Berge im Oman

Hinter schroffen Felswänden und kargen hohen Bergen kommt eine leere Ebene zum Vorschein, eine wunderschöne, zumeist aus weißen Häusern bestehende Stadt oder eine palmenbestandene Oase.

Ich bin mal wieder mit Kunden hier und begleite sie von Dubai über Abu Dhabi und Al Ain in den Oman.

Wir sind bis Muscat, der Hauptstadt, mit dem Bus gefahren. Heute wechseln wir den fahrbaren Untersatz. Wir besteigen sehr komfortable Jeeps. Geschlossene natürlich, mit Klimaanlage, denn niemand käme hier auf die Idee „oben ohne“, also ohne Verdeck zu fahren. Ein Sonnenstich wäre selbst jetzt, im November, also im Winter, sicher noch das angenehmste, was einem dann zustoßen würde. Die Sonne versengt alles.

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mit Jeeps im Wadi

Für eine ganze Weile fahren wir auf einer sehr gut ausgebauten Autobahn dahin. Die Autos, die mit uns unterwegs sind, kann man fast zählen.  Außerhalb der größeren Orte ist kaum Verkehr, obwohl fast jeder Omani hier, egal ob Frau oder Mann, ein eigenes Auto besitzt. Zu Fuß gehen hier nur wenige und wenn sind es die indischen oder pakistanischen Gastarbeiter.

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Hinweisschilder, dass es in den Wadis gefährlich sein kann

Irgendwann biegen wir ab, hinein in das Al Sharqiyah Gebirge.

Offroad im Wadi im Oman
Offroad im Wadi im Oman

Bald endet die asphaltierte Straße und wir fahren „Offroad“. Immer höher schlängelt sich die Straße durch die Berge. Immer atemberaubender wird die Aussicht. Da sehen wir Häuser, Palmen, eine fast ausgetrockneten Fluss unten im Tal. Es geht immer weiter. Da stoppt unser Fahrer, lässt uns aussteigen.

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Gabriela am Wadi Arbeyn

Grünes Wasser schimmert uns entgegen. Grün vom Kupfer, das aus den Bergen ausgewaschen wird, wie uns Ahmet unser Guide erklärt. Es ist in diesen natürlich Pool bis zu 15 Meter tief. Ganzjährig bewässert dieser Fluss diese Oase, die mit hunderten Dattelpalmenbäumen bestanden ist. Ahmet erklärt uns, dass es vor zwei Wochen eine Überschwemmung nach heftigen Regenfällen gegeben hätte. Nach einem Tag ist das meiste Wasser aber versickert.

So viel Wasser in dieser so unglaublich kargen Bergregion. Das hat keiner von uns erwartet.

Weiter geht die Schotterpiste, immer dem Flusslauf folgend. Ihn immer wieder überquerend. Mal sehen wir Wasser, dann ist es verschwunden. Es muss da sein, denn immer wieder sehen wir kleine, angelegte Gärten, in denen Obst und Gemüse für den Eigenbedarf angebaut wird.

Dann ist nur noch Geröll zu sehen, die steilen Bergwände scheinen auf uns zu zukommen. Dann haben wir das Wadi* Arbeyn hinter uns gelassen.

Wadi
Wadi

Wir sehen die Autobahn wieder, auch das Meer können wir in der Ferne sehen.

Wir halten wieder. Hier können wir das einzige Brackwasserloch des Oman bestaunen, ein riesiger Kalksteinkrater, das Bimah Sinkhole. Ein unterirdischer Flusslauf, der mit dem Meer verbunden ist, lässt uns staunen.

Bimah Sinkhole
Bimah Sinkhole

Die Sonne steht bereits hoch am Himmel, ein Muezzin ruft in der Ferne zum Mittagsgebet, die Luft flirrt, es ist ganz ruhig hier.

Wir sind froh wieder in unsere klimatisierten Jeeps krabbeln zu können. Es ist heiß, ungefähr 33 Grad im Schatten, nur hier ist keiner…

Auf der Autobahn halten wir kurz auf dem Seitenstreifen vor einer riesigen Brücke. Wer will steigt aus und macht ein paar Fotos von dem Wadi Shabi, einem weiteren Fluss, der aus den Bergen kommt. Hier führt er so viel Wasser, dass sogar einige Boote zu sehen sind.

Keiner hätte geglaubt, dass es in dieser von der Sonne ausgedörrten Gegend so viel Wasser gibt! Wo kommt das nur alles her, Regen ist selten.

Wir fahren weiter, biegen wieder rechts in die Berge ab. Wieder ein Wadi, diesmal das Wadi Tiwi. Die Straße ist eng, aber geteert. Wieder ein wunderschöner Anblick, das fast leere Flussbett mit riesigen Steinen. Wir können uns die Macht des Wassers vorstellen, wenn es hier herunterschießt, dem Meer entgegen und alles mitreißt. Da kommt ein kleiner Ort, immer enger wird die Straße, unsere Fahrer hupen wenn eine Kurve kommt, das ist keine Einbahnstraße. Bald haben wir uns bis zu einem Aussichtspunkt dem Hang hochgeschraubt. Was für ein Ausblick!

Wadi Tiwi
Wadi Tiwi

Mehr als 800 Meter hohe steile Felswände, die im Licht der Mittagssonne fast rot erscheinen, unten das Dorf mit den weißen Häusern und unendlich vielen Dattelpalmen.

Wadi Tiwi
Wadi Tiwi

Ahmet drängt zum Aufbruch, denn gleich kommt die Kolonne der „Schuljeeps“, die die Kinder der umliegenden Bergdörfer zu ihren Elternhäusern zurück bringt.

In jedem Oasendorf gibt es teilweise jahrhundertealte Bewässerungssysteme
In jedem Oasendorf gibt es teilweise jahrhundertealte Bewässerungssysteme

Im Dorf halten wir bei der Koranschule und verzehren dort unter einem uralten, schattenspendenden Baum unser mitgebrachtes Picknick.

Das schmeckt, die Temperatur ist angenehm, ein leichter Lufthauch bringt Erfrischung. Da geht es los. Die Karawane der „Schuljeeps“ kommt den Berg hoch. Einige der mutigeren Jungen winken uns zu. Die Mädchen sind zu schüchtern. Alle tragen ihre Schuluniformen.

Es geht weiter. Am Ende des Dorfes steht ein Reisebus. Es steigt eine Reisegruppe, die wir im letzten Hotel schon gesehen haben, aus. Sie werden diesen unglaublichen Anblick von oben auf diese Oase nicht sehen. Mit dem Bus kann man dieses Dorf nicht befahren. Wie schön, dass wir mit Jeeps unterwegs sind.

Unser heutiges Etappenziel ist Sur. Es ist die Stadt der 1000 Minarette, schon Sindbad der Seefahrer soll hier gelebt haben.

Sur im Abendlicht
Sur im Abendlicht

Wir schauen uns eine Dhau Werkstatt an, die einzige im Oman. Die Handwerker benötigen ca. 5 Jahre für den Bau eines dieser traditionellen Lastschiffe, die noch heute nach Indien oder den Iran fahren.

Dhau Reederei in Sur, Oman
Dhau Reederei in Sur, Oman

Dann gibt es an der Corniche von Sur noch einen der nur hier gebrauten Karak Tees, der verschiedene Gewürze und Milch enthält.

Noch ist der Tag nicht zu Ende. Ahmet hat noch eine Überraschung für uns. Um 16.30 Uhr öffnet der Frauen Souk, den er uns unbedingt zeigen möchte. Hier kleiden sich die Frauen von Sur ein. Traditionell sind hier alle Frauen schwarz angezogen und haben auch einen kompletten Gesichtsschleier, das sieht man im Rest des Omans nicht mehr so häufig.

Wir sind begeistert, denn die Kleider, die unter den schwarzen Gewändern getragen werden, können wir hier bewundern. Sie sind überaus farbenprächtig, mit Pailletten und Perlen bestickt. Wie wunderschön, schade, dass die Frauen sie nur zu Hause zeigen, niemals in der Öffentlichkeit.

Prachtvolle Kleidung der Omani Frauen und einem Bild des Sultans Qaboos
Prachtvolle Kleidung der Omani Frauen und einem Bild des Sultans Qaboos

Nach diesem langen und ereignisreichen Tag freuen wir uns auf das Bad im Swimmingpool des Sur Plaza Hotels, einem der drei Hotels in der 50 000 Einwohner Stadt Sur.

Was wird uns dieses Land aus 1001 Nacht wohl morgen offenbaren? Wir sind gespannt, so schön hätten wir es uns sicher nicht vorgestellt….

 

*Wadi = (teilweise) ausgetrocknetes Flussbett

 

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