Schlaflose Nacht unter Kopfjägern

Bei den Iban auf Borneo

 

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Lychees

Mit einigen anderen Reiseberatern aus ganz Deutschland bin ich nach Malaysia geflogen.

Kuala Lumpur, unsere erste Station ist eine quirlige Millionenstadt, in vielen Ecken sehr traditionell, in anderen hypermodern, so wie die Petronas Tower.

Tempel in Kuala Lumpur
Tempel in Kuala Lumpur
Petronas Towers
Petronas Towers

Meine erste Nacht hier, in einem Wolkenkratzerhotel und einem Zimmer in der 27. Etage, beginnt mit einem Donnerwetter. Mein Zimmer ist zu zwei Seiten verglast, ein fantastischer Ausblick bietet sich mir, auch auf das schnell aufziehende Unwetter. Die riesigen schwarzen Wolkentürme kommen immer näher, es gießt aus allen Löchern, die Blitze zucken fast im Sekundentakt. Eigentlich habe ich bei Gewitter immer ein flaues Gefühl im Magen, aber hier bin ich nur fasziniert! Was für ein unglaubliches Naturschauspiel, ich mittendrin und doch außen vor.

Wir verbringen hier ein paar Tage, fahren weiter nach Langkawi, schauen uns viele malaysische Sehenswürdigkeiten an und fliegen dann nach Borneo.

Es ist die drittgrößte Insel der Welt, sie gehört zu knapp einem Drittel zu Malaysia, ein kleiner Teil ist Brunei und der größte Teil gehört zu Indonesien.

Die Insel hat große Gebirge und viel Regenwald, der leider brandgerodet und abgeholzt wird, um der stetig wachsenden Bevölkerung Platz für Ackerbau und Viehzucht zu verschaffen. Das ist sehr schade, denn die Insel birgt eine vielfältige Flora und Fauna, die schneller zerstört wird, als sie sich regenerieren kann.

Blume in Malaysia
Blume in Malaysia

Auch die Orang Utans leiden unter dem Verschwinden ihres Lebensraums. Umso schöner ist es, dass es Menschen gibt die Orang Utan Babys ohne Mutter dazu verhelfen wollen, wieder ein Leben in  freier Wildbahn zu führen.

Um das zu erleben fahren wir in das Semenggok Orang Utan Reservat. Hier wird einer begrenzten Anzahl von Touristen gegen eine Gebühr ermöglicht die Tiere zu beobachten, wenn die Tiere denn wollen…

Mit uns haben sich eine Anzahl anderer Touristen eingefunden, um die Tiere bei ihren Fütterungsplätzen zu sehen. Zu einer bestimmten Uhrzeit werden wir in das Reservat gelassen und können von einem Aussichtspunkt, der ein ganzes Stück von den Fressplätzen entfernt ist, die Pfleger beobachten, die versuchen die Tiere mit Rufen zu locken. Die ausgewilderten Orang Utans kommen nur zum Fressen, wenn sie in ihrem Stück Urwald, das geschützt ist, nichts zu fressen finden.

Nun, heute sind sie offensichtlich satt und zufrieden oder zu weit weg oder sie schlafen oder sie wollen einfach nichts mit den neugierigen Touristen zu tun haben. Jedenfalls sehen wir keine, schade, aber es sind wildlebende Tiere und sie verhalten sich so.

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Iban Dorf auf Borneo

Weiter geht es. Wir haben noch eine einstündige Fahrt im Langboot auf einem Fluss durch den Regenwald vor uns. Wir wollen eine Nacht im Langhaus bei den ehemaligen Kopfjägern, den Iban verbringen.

Viele von ihnen leben noch traditionell in Familienclans in ihren Langhäusern.

Am Anleger am Fluss werden wir schon erwartet. Wir werden immer zu viert in ein Langboot verfrachtet. Sie haben inzwischen Motoren, sonst wären wir noch viel länger unterwegs.

Mit teilweise halsbrecherischer Geschwindigkeit, so kommt es uns in diesen fragilen Booten jedenfalls vor, fahren wir den Fluss entlang.

Wir kommen an anderen Ansiedlungen vorbei und an Feldern. Wir sehen verkohlte Baumriesen, aber auch noch existierenden Regenwald. Er wird immer dichter, je weiter wir dem Fluss folgen.

Wir hören unbekannte Vögel rufen, die Wipfel der Bäume und die Blätter bewegen sich, wir werden beobachtet, aber die Tiere bekommen wir nicht zu sehen.

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Salamat Datang. Guten Tag.

Dann sind wir endlich an „unserem“ Langhaus angekommen. Die Männer, Frauen und Kinder stehen schon und winken. Wir werden erwartet. Die Menschen hier sind sehr arm, da kommt ihnen diese Einnahmequelle natürlich sehr entgegen.

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Die kleinen Iban

Das Haus liegt an einem Hang, wir steigen die Holztreppe nach oben, werden auch hier von den Einwohnern begrüßt. Einige sind sehr zurückhaltend, andere mindestens genauso neugierig wie wir. Vor allem die blonden Frauen werden von den Kindern beäugt. Für die kleinen Iban haben wir natürlich Süßigkeiten, aber auch Schreibutensilien für die Schule parat.

Als Gastgeschenke haben wir ihnen Reis und andere nützliche Dinge mitgebracht, die sie hier fern ab von jedem Laden nur schwer bekommen können.

Das Langhaus ist in einzelne große Räume unterteilt, in denen die einzelnen Familien leben. Wir dürfen in die  meisten Räume hineinschauen, einige bleiben uns verschlossen. In den meisten liegen nur ein paar geflochtene Strohmatten. Natürlich geht man hier barfuß.

Für uns Touristen haben die Iban sogar eine Toilette mit Wasserspülung gebaut, sie liegt ein wenig abseits, wird uns aber mit großem Stolz gezeigt.

Hier merken wir, dass die Iban zwar versuchen ihren traditionellen Lebensstil so weit wie möglich bei zu behalten, aber auch den Anschluss an die Zivilisation bekommen möchten. Ihre Kinder gehen zur Schule, das sind meist Internate, in denen sie während der Woche sind. Hier im Innern des Regenwaldes finden sie kaum noch eine Lebensgrundlage, denn das Wild wird durch die Abholzung immer weniger.

Wir dürfen zuschauen wie das Essen zubereitet wird. Für uns Deutsche wird das Essen sicher ein wenig anders gekocht, als die Iban es sonst gewohnt sind.

Es schmeckt vorzüglich, wir sitzen alle im Kreis auf dem Boden, zwischen uns viele verschiedene Speisen, die wir alle versuchen zu kosten. Für uns gibt es Besteck, die Iban selbst essen mit den Fingern, aber nicht mit uns, sondern in ihren jeweiligen Räumen.

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vier Iban Tänzerinnen und Tänzer

Als alles abgeräumt ist, werden uns im Schein weniger Kerosinlampen Tänze vorgeführt. Die Frauen und Männer ziehen dafür Ihre festlichen, wunderschön verzierten Kostüme an. Natürlich müssen wir dann auch ran…

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mein Schlafplatz bei den Iban auf der Langhaus Veranda

Früh wird uns unser Nachtlager auf Matratzen unter Moskitonetzen auf der Veranda bereitet. Wir schlafen also draußen, wenn auch überdacht!

Schnell wird es ruhig im Langhaus, aber nun hören wir die Geräusche der Nacht. Der Regenwald schläft nicht! Einige von uns stört das nicht, sie schlafen auf dem harten Boden schnell ein.

Ich kann nicht schlafen. Es ist zu fantastisch, was um uns herum alles passiert. Sehen kann ich nichts, es ist stockdunkel, aber hören!

So viele verschiedene Tierstimmen dringen zu mir, es raschelt hier und dort, vielleicht die Hunde, die sich bewegen. Es riecht wunderbar nach allem möglichen, ich kenne diese Gerüche nicht. Ich merke, wie sich meine Sinne verändern, denn ich kann ja nichts sehen. Dann fängt es an zu regnen, ich höre die Tropfen, die auf das Holzdach klatschen, die Luft wird ganz feucht, aber es ist warm.

Vielleicht bin ich doch irgendwann kurz eingeschlafen, jedenfalls bin ich wieder hellwach, als die Hähne des Dorfes im ersten mageren Licht des Morgens anfangen lauthals zu krähen. Jetzt bellen auch die Hunde, die Menschen stehen auf, wir auch.

Der Regenwald dampft, es ist herrlich warm, wer will geht im Fluss baden, wie die Iban.

Das Iban Dorf am Morgen, der Regenwald dampft
Das Iban Dorf am Morgen, der Regenwald dampft

Schon werden wir zum Frühstück gerufen und dann geht es auch schon wieder zurück in die Zivilisation. Schon schade, aber ich bin auch ganz froh, denn ich weiß, dass am Ende des Tages ein weiches Bett und eine heiße Dusche im nächsten Hotel auf mich warten.

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Iban Dorf
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Iban Dorf
Iban Dorf
Iban Dorf

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